06.06.2017 Ein Jahr E-Auto-Prämie

 

 

Ein Jahr E-Auto-Prämie
‚Es herrscht eine Grundskepsis‘
Autohändler Wolf Warncke über die Prämie für Elektroautos und das Kaufverhalten seiner Kunden
(Stefan Lakeband, Weser Kurier, 31.5.2017)
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Herr Warncke, Sie haben ein VW-Autohaus in Tarmstedt. Wann haben Sie dort zuletzt ein E-Auto verkauft?

Wolf Warncke: Das war vergangene Woche. Da haben wir einen gebrauchten E-Up an eine Kundin übergeben. In den vergangenen Wochen kamen aber auch noch ein paar andere Käufer zusammen. Manche Autos müssen aber bestellt werden und können erst im August ausgeliefert werden.

Das hört sich gar nicht so schlecht an. Rennen Ihnen die Kunden die Tür ein?

Nein, so einfach ist es leider nicht. Das Interesse an E-Autos ist durchaus groß, aber es herrscht noch eine Grundskepsis. Viele Leute machen sich Sorgen über die geringen Reichweiten und die fehlende Infrastruktur bei Ladesäulen. Man muss viel Überzeugungsarbeit leisten und die positiven Eigenschaften von E-Autos betonen.

Sind Sie denn mit der Zahl der Kunden zufrieden?

Es werden zum Glück immer mehr. Auch wenn ich das Geschäft mit den E-Autos als Investition in die Zukunft sehe. Denn momentan gibt es noch eine klare Schieflage zwischen Aufwand und Ertrag. Das gilt aber auch für die Hersteller. Ich glaube aber, dass sich das in Zukunft ändern wird.

Seit einem Jahr gibt es die Prämie für Autos mit Elektroantrieb. Hat sich dadurch etwas verändert?

Die Prämie ist wichtig. Als sie eingeführt wurde, hatten viele die Sorge, dass nur Leute profitieren, die sich sowieso schon ein E-Auto kaufen wollten. Aus meiner Erfahrung hat sich das aber nicht bestätigt. Bei vielen meiner Kunden hat die Prämie das letzte Quäntchen zur Entscheidung für das E-Auto beigetragen. Ohne die Prämie hätten sie sich wahrscheinlich dagegen entschieden. Sie führt aber auch nicht dazu, dass uns die Leute die Bude einrennen.

Müsste die Prämie dafür noch höher sein?

Das wäre eine Möglichkeit. Aber mit zunehmender Prämienhöhe wird es schwieriger, sie irgendwann zurückzufahren. Subventionen können nur ein zeitweiliger Anreiz sein. Auf Dauer muss sich der Markt selbst auf ein Preisgleichgewicht einpendeln, das Geschäft muss von alleine laufen.

Noch läuft es aber nicht.

Die absoluten Zahlen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Das für die Prämie bereitgestellte Geld reicht für 300 000 Autos. Zum 1. Mai wurde die Förderung aber für gerade einmal 18 000 Autos beantragt. Wenn man das mit dem Tempo hochrechnet, würde die Prämie für gut 100 Monate reichen – also acht Jahre. Dabei soll sie im Sommer 2019 auslaufen.

Es geht offenbar nicht nur ums Geld.

Nein, die großen Hemmnisse sind neben dem Preis die Reichweite und die Infrastruktur. Das muss noch besser werden. Bei manchen Herstellern vermisse ich auch den Willen zum Erfolg. Sie scheuen sich davor, rote Zahlen zu schreiben.Von Betreff Erhalten Größe Kategorien
Wolf Warncke FRAGE: Stimmt das, dass der letzte Eintrag auf www.autohaus-warncke.de unter News/Aktuelles vom 3.3.2017 stammt? So 0:02 9 KB Bei Zukunftstechnologien wie dieser muss man das aber manchmal.

Manchmal wirkt es auch so, als hätten die Deutschen ein besonderes Verhältnis zum Verbrennungsmotor.

Der Autobau ist eine der wichtigsten Industrien in Deutschland. Dementsprechend viele Jobs hängen da dran. Das gibt man nur ungern auf, vor allem, weil wir nicht wissen, was die Zukunft bringt. Diese Skepsis ist eine deutsche Mentalität.

Wird denn irgendwann der Tag kommen, an dem Sie mehr Autos mit Elektromotor als mit Benzin- oder Dieselmotor verkaufen?

Ja, auf jeden Fall. Nur den Zeitpunkt kenne ich noch nicht. Vielleicht um das Jahr 2030 herum. Bis 2025 hat etwa Volkswagen ausgelobt, den Anteil an verkauften Elektroautos auf ein Viertel bis ein Drittel anzuheben. Die Entwicklung hängt natürlich auch von anderen Rahmenbedingungen ab, die momentan noch unklar sind – beispielsweise die Kfz-Steuer oder der Strompreis.

Sie verkaufen E-Autos in Tarmstedt. Kommen Ihre Kunden auch hauptsächlich aus der ländlichen Region?

Überwiegend schon. Zuerst wurde ja vermutet, dass Elektroautos vor allem etwas für die Stadt sind. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Gerade im ländlichen Bereich können viele Pendler E-Mobilität sinnvoll nutzen, weil sie große Strecken zurücklegen. In der Stadt macht eine Investition in E-Autos viel seltener Sinn, weil sie kürzere Strecken oder seltener fahren, besonders, wenn es einen guten öffentlichen Nahverkehr gibt.

Bei größeren Distanzen gibt es aber wieder das Problem der Reichweite.

Wer morgens 50 Kilometer zur Arbeit fährt, nachmittags wieder 50 zurück und dann am Abend noch mal eine längere Strecke zurücklegen muss, hat oft ein Problem. Deswegen muss das Netz an Schnellladestation noch deutlich ausgebaut werden – auch im ländlichen Raum. Das passiert zwar schon, momentan aber recht langsam.

Das Gespräch führte Stefan Lakeband.

Wolf Warncke:
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(53) ist seit 1995 Geschäftsführer im Autohaus Warncke in Tarmstedt. Schon 2014 hat der VW-Händler eine eigene Ladestation für Elektroautos installiert und unterstützt ein Carsharing-Projekt in Tarmstedt.

Die Prämie für E-Autos

Seit einem Jahr werden Käufer eines Autos mit Elektroantrieb bezuschusst. Für reine Elektrowagen gibt es eine Prämie von 4000 Euro, für Hybridautos, die einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3000 Euro. Davon übernimmt der Bund die Hälfte, die andere Hälfte kommt von den Herstellern. Bis zum 1. Mai wurde die Prämie insgesamt 18 000 Mal beantragt, 91 Mal davon in Bremen.

(foto: kai-uwe knoth, hannover)